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Niederösterreich: Schloßhof

Niederösterreich

Die Gartenanlagen von Schloßhof

 

Die zwischen 1726 und 1736 angelegte Garten- und Schlossanlage Hof an der March im östlichen Niederösterreich ist die zweite große Gartenschöpfung Prinz Eugens von Savoyen nach dem Belvedere und war, ein halbes Jahrhundert vor der Fertigstellung des theresianischen Ausgestaltung der Schönbrunner Gärten, die größte und aufwändigste barocke Gartenanlage der habsburgischen Erblande.

Nach Erwerb der Herrschaften Hof und Niederweiden 1725 hatte der 63-jährige Prinz zunächst nur einen Ausbau des kleinen Renaissance-Schlossbaues zu einem Jagdschloss durch seinen Architekten Johann Lucas von Hildebrandt vorgesehen. Zugleich sollte Hildebrandt aber auch den Meierhof zu einer landwirtschaftlichen Musteranlage ausbauen. Die Pläne für Schloss und Meierhof wurde jedoch schnell ausgeweitet. Der Schlossbau wurde mit einer terrassierten Bastionsanlage mit einem von Stallungen flankiertem Entreebereich, einer zum Ehrenhof überleitenden rampengefassten doppelstufigen Brunnenanlage und reichen Broderieparterren um das Schloss gefasst. Der nördlich gelegene Meierhof wurde als aufwändiger Gebäudekomplex ausgeführt. Die Schaufront zum Schloss wurde als zentraler Verwaltungstrakt mit flankierenden Vierkanthöfen und dazwischen eingespannten großen Orangerie-Glashäusern mit vorgelagerten eingesenkten Orangeriegärten gestaltet. Nachdem der Ausbau von Schloss und Meierhof, mit Ausnahme der noch in Bau befindlichen Glashäuser,  1729 weitgehend abgeschlossen war, entschloss sich der Prinz zur Anlage eines großen nach Osten zur Marchniederung abfallenden Terrassengartens. Für die Planung wurde neben Hildebrandt der Eugen'sche Garteninspektor Anton Zinner herangezogen. In den folgenden Jahren wurde bis zum Tod Eugens 1736 der große Garten in vier an die bestehenden drei Bastionsterrassen anschließende Terrassen ausgeführt. Auf eine überleitende Böschungsterrasse folgten zwei große jeweils mit Kaskaden abschließende Terrassen mit zentralen Broderiefeldern und seitlichen Berceau- und Boskettbereichen. Die unterste und größte Terrasse wurde als Boskettgarten mit Boulingrins geplant, jedoch bis zum Tod Eugens nur teilweise ausgeführt.

 

 

Eugens Erbin Anna Victoria von Savoyen überlässt die Herrschaft Hof ihrem Gemahl Prinz Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen. 1755 erwirbt sie Maria Theresia als Geschenk für ihren Gemahl Kaiser Franz. I. Stephan. Spätestens unter ihm wird die gärtnerische und skulpturale Ausgestaltung des Gartens fertiggestellt, die Bernardo Bellotto zwischen  1758 und 1761 in seinen drei Ansichten von Schloßhof dokumentiert. Während Maria Theresia, die Hof nach dem Tod Franz I. zu ihrem Witwensitz wählt, das Schloss 1772 bis 1775 aufstocken und teilweise neu ausgestalten lässt, wird der Garten weitgehend unverändert erhalten. Auch nach ihrem Tod werden die Gartenanlagen auf hohem Niveau weiter unterhalten, erst nach 1800 beginnt eine schrittweise Vereinfachung und Reduzierung der gärtnerischen Gestaltung. Eine landschaftliche Umgestaltung unterbleibt jedoch trotz diesbezüglicher Überlegungen aufgrund der Gelände- und Bodenbeschaffenheit. Die großen Brunnen- und Kaskadenanlagen werden um die Mitte des 19. Jahrhunderts abgebaut, die restliche skulpturale Ausstattung jedoch restauriert.

 

 

Als Schloss und Garten schließlich 1898 zur Einrichtung eines Reit- und Fahrlehrinstituts an die Militärverwaltung übergeben wird, wird durch das Obersthofmeisteramt nicht nur die gesamte nicht wandfeste Ausstattung des Schlosses zur weiteren Verwendung das Hofmobiliendepot verbracht, sondern auch alle Statuen, Vasen, Balustraden und Toranlagen des Garten demontiert und in Depots in Schönbrunn und im Belvedere gebracht. In der Folge gehen viele dieser Objekte verloren.

Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre beider Weltkriege wird die gesamte Anlage zunehmend vernachlässigt, erst in den 1960er-Jahren beginnen erste Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen durch die Bundesgebäudeverwaltung.

 

 

Im Zuge der Ausgliederung und Privatisierung der Verwaltung und Schaffung der Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft im Jahre 2002 wurden bis 2012 umfangreiche Restaurierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen der Schloss- und der Gartenanlagen durchgeführt. Eine wesentliche Grundlage für die Wiederherstellung weiter Teile des Hauptgartens waren die ab 1991 durch das Bundesdenkmalamt durchgeführten archäologischen Grabungskampagnen, die die barocke Struktur des Gartens in unerwarteter Detailgenauigkeit ergraben konnten, und damit auch die Begründung der Gartenarchäologie in Österreich darstellten.

Der heute wieder in seiner Struktur lesbare Garten von Schloßhof erreichte zwar nicht die beispielhafte innovative Wirkung des Belvederegartens und das Raffinement seiner Geländemodulierung. Er konnte dieses aber hinsichtlich seiner Prachtentfaltung mit insgesamt 14 Broderieparterrefeldern, gewaltigen Berceauanlagen und der großen Boskett-Terrasse übertreffen, und zählt damit zu den bedeutendsten hochbarocken Gartenschöpfungen Österreichs.

Von besonderer Bedeutung für das Ensemble als 'tusculum rurale' des Prinzen Eugens ist die Musteranlage des  Meierhofes, die nicht nur auf die Tradition der römischen Villa suburbana verweisen soll, sondern auch  Bedeutung der landwirtschaftlichen Produktion als Grundlage auch des barocken fürstlichen savoir-vivre dokumentiert.

In Form des auch technisch originalgetreu wiederhergestellten östlichen Glashauses verfügt das Ensemble auch über das früheste noch erhaltene Glashaus barocken Typs in europäischen Raum.

Die in Besitz der Republik befindliche Schloss-, Garten- und Meierhofanlage von Schloßhof wird von der  Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsges.m.b.H. betreut: www.schlosshof.at

 

Text: © Thomas Baumgartner

Alle Photos dieser Seite: © Christian Hlavac

 

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