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Wien: Gartenpalais Schwarzenberg

1030 Wien

Gartenanlage Palais Schwarzenberg

 

Die Gartenanlage des Sommerpalais Schwarzenberg ist mit ihrer barocken Freiraumgestaltung und der landschaftlichen Überformung ein bedeutendes Bravourstück österreichischer Gartenkunst. Darüber hinaus bildet der Palaisgarten mit den angrenzenden Gartenanlagen des Belvedere, dem Garten des Salesianerinnenklosters und dem Botanischen Garten das in Europa einzige erhaltene Ensemble barocker Stadtlandschaft.

Mit dem Erwerb mehrerer Weingartenparzellen ab 1697 durch den Generalfeldmarschall und Oberstkämmerer am kaiserlichen Hof Heinrich Franz Graf Mansfeld Fürst Fondi begann die Entstehung des Sommerpalais samt Lustgarten als frühes Beispiel eines hochbarocken Gesamtkunstwerkes in den Wiener Vorstädten nach der zweiten Belagerung durch die Osmanen. Von 1697 bis 1715 erfolgte die Errichtung der Anlage nach Plänen des Architekten Johann Lukas von Hildebrandt. Nach dem 1715 erfolgten Tod des Auftraggebers Mansfeld-Fondi veräußerten seine beiden Töchter ein Jahr darauf das unvollendete Anwesen an den Oberstallmeister Adam Franz Fürst zu Schwarzenberg. Dieser ließ das Palais ab 1720 von Johann Bernhard Fischer von Erlach und nach dessen Tod 1723 von Joseph Emanuel Fischer von Erlach bis 1728 umgestalten und fertigstellen.

Die Grundzüge der Gartengestaltung stammen vom französischen Gartenarchitekten und Tapissier Jean Trehet, der ab 1686 im kaiserlichen Dienst am Wiener Hof stand. 1697 fertigte Trehet den Plan zur Gestaltung des Gartens, die wohl in Entwürfen vom Architekten Hildebrandt weitergeführt sowie von Vater und Sohn Fischer von Erlach vollendet wurde.

In charakteristischer Abfolge gliedert sich die Anlage in den stadtseitigen Ehrenhof, den Palais mit Nebentrakten und den in Ebenen unterteilten Ziergarten. Der begrenzte Raum auf länglicher ansteigender Fläche erhielt ein ebenso kompaktes wie komplexes Gefüge barocker Inszenierung im Sinne eines architektonischen Ideals nach den Gesetzen der Geometrie. Verstärkt durch die sich im Süden verschmälernde Grundstücksform dominiert die Mittelachse das Konzept der Gestaltung, die sich architektonisch im bestimmenden Mittelrisalit mit hohem Ringkronenaufsatz des Palaisgebäudes und gartenkünstlerisch in den ehemals formbeschnittenen Rosskastanien, anstelle der sonst üblichen und viel niedrigeren Eiben-Topiari, des Parterres akzentuiert. Die barocke Gartenkomposition brillierte von den vor der Gartenfassade des Palais liegenden vier Broderieparterrefelder über die in Formenvielfalt zunehmenden Bosketts samt großräumigen Boulingrin bis zu den beiden sogenannten Spiegelbecken auf der dritten Ebene und zum als Wasserreservoir dienenden großen Bassin auf der obersten Ebene. Im Jahr 1783 wurde die akkurate Pflege des barocken Stils eingestellt und die Gartengestaltung den zunehmenden Idealen eines Landschaftsgartens übergeführt. Die barocke Struktur und Raumbildung blieb bestehen und wurde als Szenerien in den Landschaftsgarten übernommen. Die strenge Orthogonalität wich einer freieren und mannigfaltigeren Form des frühen Landschaftsstils durch bewusstes Unterlasen des Pflegeschnitts der Baumreihen, Hecken und Solitärgehölzen sowie dem Einbringen von Rasen- und Wiesenpartien mit asymmetrischen Pflanzschemen und teils geschwungener Wegeführung.

Der hohe Stellenwert der Anlage besteht im bis heute erhaltenen barocken Raumgefüge auf der ursprünglichen Fläche und dem Zusammenspiel mit der Überformung im landschaftlichen Stil. Besonders bemerkenswert ist die gegliederte barocke Wasserachse mit ihrer Vielfalt an Wasserbassins und -spielen, wobei  die beiden an Futtermauern gebildeten Kaskaden hervorzuheben sind. Von beachtlicher Bedeutung sind auch die in Teilen erhaltenen Ausstattungsstücke wie die Skulpturen des Bildhauers Lorenzo Mattielli (Raptusgruppen und Jahreszeitenstatuen) und Johann Bernhard Fischers von Erlach (reliefierte Gartenvasen). Die bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Betrieb befindliche "Feuermaschine" zum Betreiben der Wasserspiele mittels Dampfkraft war eine spektakuläre Hauptsehenswürdigkeit Wiens. Auch die umfassenden Pflanzenschätze der mehrfach um- und neugestalteten Glashäuser waren so berühmt, dass selbst Mitglieder der Kaiserfamilie regelmäßig zu Besuch kamen, und die ab 1827 in ihnen veranstalteten Blumen- und Pflanzenausstellungen führten zur Gründung der Gartenbau-Gesellschaft. Überdies bildet die 1697 begonnene Errichtung von Palais und Garten Schwarzenberg gemeinsam mit der Anlage des Unteren und Oberen Schlosses des Prinzen Eugen von Savoyen (Belvedere) ab 1697 und dem 1717 von Kaiserin Amalia Wilhelmine beauftragten Salesianerinnenklosters sowie mit dem seit 1754 anschließenden Botanischen Garten das einzige erhaltene und unverbaute Ensemble mit authentischer Architektur und Freiraumgestaltung des ehemaligen barocken Wiener Gartenkranzes. Folglich ist der Schwarzenberg´sche Palaisgarten als gartenkulturelles Monument ebenso singulär wie auch im Verbund mit den unmittelbar benachbarten Anlagen ein Spiegelbild der Bezüge zwischen der Landschaftsgestaltung und dem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft.

In den vergangenen hundert Jahren wurden im Schwarzenberggarten keine substanziellen Eingriffe vorgenommen, deshalb stellt er mit seiner Qualität eines der bedeutendsten privaten Gartendenkmale in Österreich dar.

 

Palais und Gartenanlage befinden sich in Privatbesitz und sind nicht öffentlich zugänglich. Ein Parkpflegewerk wurde im Auftrag des Bundesdenkmalamtes 2001/2002 erstellt. Unter Denkmalschutz stehen lediglich alle ober- und unterirdischen baulichen sowie die künstlerischen Elemente wie Wasserbecken, Wege-, Treppen-  und Rampenanlagen, Skulpturen, Mauern u. a., nicht jedoch die vegetativen Gestaltungselemente des Palaisgartens. Die gesamte Anlage ist Teil der Kernzone des UNESCO Weltkulturerbes "Historisches Zentrum von Wien". Unabhängig vom Denkmalschutz ist das Areal von der Stadt Wien als Schutzzone "Rennweg" festgelegt sowie als Parkschutzgebiet ausgewiesen. 

 

Text: © Stefan Hauser

Photo: © Christian Hlavac

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