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Wien: Schönbrunn

1130 Wien

Die Gartenanlagen von Schönbrunn

 

Der Park von Schönbrunn ist national wie international die bekannteste und mit Abstand meistbesuchte historische Gartenanlage Österreichs. Mit seiner heutigen Ausdehnung von etwa 160 Quadratkilometern entspricht er fast der Größe des Ersten Wiener Bezirkes. Als wichtigste kaiserliche Sommerresidenz seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bildeten Schloss und Gärten von Schönbrunn bis zum Untergang der Monarchie auch eines der wichtigsten Machtzentren Europas, dessen imperiale Bedeutung wie in keiner anderen österreichischen Gartenanlage in der Ausgestaltung der Gartenanlagen zum Ausdruck kommt.

Die bereits um 1170 als 'Chatternberch' nachweisbare Liegenschaft der Katterburg gelangte 1569 durch Maximilian II. in kaiserlichen Besitz und wurde von da an als Jagdgarten benutzt. Unter Eleonora von Gonzaga, der Witwe Kaiser Ferdinands II. wurde der Besitz 1642 erstmals als Schönbrunn bezeichnet, nach einer der Überlieferung nach von Kaiser Matthias I. 1619 entdeckten, heute noch bestehenden Quelle. Eleonora von Gonzaga ließ einen neuen Schlossflügel und bei diesem den vermutlich ersten Lustgarten mit Orangerie anlegen.

Nach der Zerstörung während der Zweiten Belagerung Wiens 1683 durch die Osmanen entschloss sich Kaiser Leopold I. zu Neuanlage von Schloss und Garten. Bereits ein Jahr vor Beginn des durch Johann Bernhard Fischer geplanten Schlossbaues wurde 1695 mit der Anlage der Kammergärten und des Parterres durch Jean Trehet und Johann Georg Hätzl begonnen, die von Fischer vorgesehene Gartenplanung wurde jedoch nicht umgesetzt. Auch die ausgeführten barocken Gartenareale wurden durch die ein halbes Jahrhunderts später erfolgten grundlegenden Umgestaltung weitgehend überformt und verändert.

 

 

Diese bis heute das Erscheinungsbild der Schönbrunner Gartenanlagen prägende grundlegende Umgestaltung erfolgte unter Maria Theresia und Kaiser Franz I. Stephan, die 1742 Schönbrunn zum Hauptsommersitz erkoren. In den nachfolgenden vier Jahrzehnten bis zum Tod Maria Theresia 1780 erfolgte die Umgestaltung des gesamten den Talboden des Wienflusses umfassenden Teils des vormaligen Jagd-Gartens zu einer architektonisch-geometrische Anlage, die sowohl spätbarocke als auch Rokoko- und frühromantische Elemente aufweisen sollte.

Neben der Neugestaltung und Erweiterung der westlich und östlich des Schlosses gelegenen Kammergärten wurde das Parterre bis an den Hang des Schönbrunner Berges verlängert und durch eine anschließende Schneise über den Hang akzentuiert. Die beidseitig an das Parterre anschließenden Waldbereiche wurden in reichgestaltete, durch Orthogonal- und Diagonalallen geteilte Boskettbereiche umgewandelt. Die Urheberschaft der gärtnerischen Planungen ist nicht gesichert, ein wesentlicher Anteil zumindest an der Ausführung ist aber dem holländischen Hortologen Adrian van Steckhoven zuzuschreiben.

 

Besondere Bedeutung kam den für die Aufnahme der lebendigen Sammlungen gewidmeten Gartenarealen zu. Entsprechend seinen naturkundlichen Interessen ließ Franz I. Stephan 1752 die von Jean-Nicolas Jadot geplante Menagerie an der westlichen Parkseite errichten, dem ein Jahr darauf der nördlich angrenzende von Steckhoven geplante, später als holländisch-botanischer Garten bezeichnete, Obst- und Raritätengarten folgte. Bereits 1743/44 war nordöstlich des Schlosses ein Areal zugekauft worden, auf dem bis 1755 das gewaltige Orangeriehaus mit dem Orangeriegarten errichtet wurde.

Während die gärtnerische Neugestaltung bereits in den 50er-Jahren des 18. Jahrhunderts abgeschlossen gewesen sein dürfte, erfolgte die Ausgestaltung mit den großen Staffagebauten und Brunnenanlagen, die dem Garten bis heute sein architektonisches Gepräge verleihen, erst in den 70er Jahren durch den Hofarchitekten Johann Ferdinand Hetzendorfs von Hohenberg. Während in der Osthälfte des Gartens der Obeliskbrunnen (1777) und die 'Ruinen von Karthago' (1778, heute 'Römische Ruine') als Point de Vue der Diagonal- und der Längsallee dienen, bilden die 1775 errichtete Gloriette und der im Todesjahr Maria Theresias 1780 fertiggestellte Neptunbrunnen die zentralen Architekturelemente der Gartenhauptachse und bestimmen damit - ganz in Sinne der Auftraggeberin - bis heute die imperiale Wirkung des Gartenprospektes. Zugleich vollenden sie zusammenmit der Aufstellung der zwischen 1773 und 1780 von Wilhelm Beyer gefertigten Statuen die theresianische Ausgestaltung des Schönbrunner Gartens, die Bedeutung Schönbrunns als Herrschaftssitz der Habsburger und ihrer Funktion als Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation als Fortsetzung des antiken römischen Reiches herausstellen sollte.

Nicht zuletzt aus dynastisch-repräsentativen Gründen wird der Garten, von gestalterischen Vereinfachungen abgesehen, auch im 19. Jahrhundert in seiner formal-architektonischen Gestaltung aufrechterhalten, lediglich periphere Areale wie die östlich des Kaiserstöckels gelegene Post- und Dreieckwiese und der botanische Garten werden verlandschaftlicht. Der botanische Garten ist allerdings nur hinsichtlich seiner Lage als peripher zu bezeichnen. Seine Gewächshaussammlungen werden laufend ausgebaut und wie die Menagerie durch mehrere Sammelexpeditionen im 18. und 19. Jahrhundert ständig bereichert und gehören bis heute zu den reichhaltigsten botanischen Sammlungen in Europa.

Ab 1865 lässt Kaiser Franz-Joseph I. den architektonischen Garten entsprechendseines neoabsolutistischen Herrschaftsanspruches durch den neuberufenen Garteninspektor Adolph Vetter in vielen Bereichen restaurieren.

Die letzten großen Veränderungen bilden die neuen Gewächshäuser im botanischen Garten. Das von Franz von Segenschmied geplante und 1880-82 errichtete große Palmenhaus stellt eines der bedeutendsten europäischen Glas-Eisen-Gewächshäuser des 19. Jahrhunderts dar, in dessen Nähe 1904 schließlich noch das neue Sonnenuhrhaus errichtet wird.

 

 

Wenngleich die theresianische Gestaltung der Schönbrunner  Gartenanlagen weniger aus  innovativen Elementen schöpfte, als bestehende oder bereits überholte Gestaltungsformen in großartiger Dimensionierung kombinierte, liegt die Bedeutung der bis heute in dieser Form weitgehenden erhaltenen Gartenanlage zum einen gerade in dieser Umsetzung gartenarchitektonischer Wirkung zur dynastisch-imperialen Repräsentation des Herrschaftssitzes, die in dem eindrucksvollen von der Gloriette bekrönten Gartenprospekt ihren Höhepunkt findet.

Zum anderen ist der Schönbrunner Garten auch als Boskettgarten des Hochrokokos von besonderer Bedeutung dessen reich variierte, komplexe Gestaltungsformen in keinem anderen europäischen Garten in dieser Dimension verwirklicht wurden.

Nicht zuletzt sind die bis heute aufrechterhaltenen reichhaltigen Pflanzen- und Tiersammlungen, in Form der Orangerie, der großen Pflanzenschauhäuser und Reservegartensammlungen und des zoologischen Gartens sowohl in ihrem barocken Kern als auch den baulich nachvollziehbaren Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und ihrem heutigen Bestand von besonderer nationaler und internationaler Bedeutung.

Schloss- und Gartenanlagen von Schönbrunn befinden sich seit 1918 im Eigentum der Republik Österreich. Für die Verwaltung der Gesamtanlage sind zwei öffentliche und zwei privatisierte Körperschaften, die Bundesgärten Wien_Innsbruck,  die Burghauptmannschaft Österreich (Gebäude Tiergarten), die Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. und die Schönbrunner Tiergarten-Gesellschaft m.b.H. zuständig.

Die Gartenanlagen, die Pflanzenschauhäuser und Pflanzensammlungen werden von den Bundesgärten betreut: www.bundesgaerten.at

 

Text: © Thomas Baumgartner
Alle Photos dieser Seite: © Christian Hlavac

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